Unterlagen für den Immobilienverkauf: Die
vollständige Checkliste

Kaufinteressenten entscheiden schnell, aber ihre Bank entscheidet nach Aktenlage. Fehlt eine Wohnflächenberechnung oder der Energieausweis, verzögert sich die Finanzierungszusage um Wochen. In dieser Zeit findet der Interessent oft ein anderes Objekt.

Diese Checkliste nennt alle Unterlagen, die zuständige Stelle in Bayern und die Beschaffungsdauer. Beginnen Sie damit, bevor Sie inserieren.

Immer erforderlich

UNTERLAGEWO IN BAYERNDAUER
Grundbuchauszug
aktuell, nicht älter als drei Monate
Grundbuchamt beim Amtsgerichtwenige Tage
Liegenschaftskarte / FlurkarteAmt für Digitalisierung, Breitband und
Vermessung (ADBV)
wenige Tage
Energieausweis
außer bei Baudenkmälern und einigen
Sonderfällen
Energieberater, Schornsteinfeger, Fachbetriebe1 bis 4 Wochen
Grundrisse, Schnitte, Ansichteneigene Unterlagen oder Bauakte beim
Landratsamt
2 bis 6 Wochen
WohnflächenberechnungBauakte, Architekt oder Neuberechnung1 bis 3 Wochen
Baugenehmigung und BaubeschreibungBauamt / Landratsamt, Einsicht in die Bauakte2 bis 6 Wochen
Nachweise über Modernisierungeneigene Rechnungen und Handwerkerunterlagensofort

Kosten und ein bayerischer Hinweis

Ein einfacher Grundbuchausdruck kostet 10 Euro, ein amtlicher Ausdruck 20 Euro. Die Liegenschaftskarte liegt je nach Ausführung im niedrigen zweistelligen Bereich. Der Energieausweis ist der größte Posten: Ein Verbrauchsausweis kostet rund 50 bis 100 Euro, ein Bedarfsausweis 300 bis 500 Euro.

Baulasten suchen Sie in Bayern vergebens. Der Freistaat führt, anders als die meisten Bundesländer, kein Baulastenverzeichnis. Entsprechende Verpflichtungen werden hier als Dienstbarkeiten im Grundbuch gesichert. Der vollständige Grundbuchauszug ist deshalb Ihre wichtigste Quelle; eine Anfrage beim Baulastenverzeichnis geht ins Leere.

Er ist allerdings nicht die einzige: Bindungen können sich auch aus dem Bebauungsplan, einem Sanierungsvermerk, der Denkmalliste oder aus Auflagen in der Baugenehmigung ergeben. Wer sichergehen will, sieht an all diesen Stellen nach.

Zusätzlich bei Eigentumswohnungen

Beim Wohnungsverkauf prüfen Käufer und Banken nicht nur die Wohnung, sondern die gesamte Gemeinschaft. Diese Unterlagen erhalten Sie von der Hausverwaltung:

  • Teilungserklärung mit Aufteilungsplan: definiert, was Sondereigentum ist und was Gemeinschaftseigentum
  • Gemeinschaftsordnung: Regeln zu Nutzung, Kostenverteilung und Stimmrecht
  • Protokolle der Eigentümerversammlungen der letzten drei Jahre, hier stehen beschlossene und
    anstehende Maßnahmen
  • Wirtschaftsplan und Jahresabrechnungen der letzten drei Jahre
  • Höhe der Instandhaltungsrücklage und Ihr Anteil daran
  • Beschlusssammlung
  • Verwaltervertrag und Angaben zum aktuellen Hausgeld

Rechnen Sie bei der Verwaltung mit zwei bis vier Wochen Vorlauf. Manche Verwaltungen berechnen für die Zusammenstellung eine Gebühr.

Bauträger Objekt für ein Wohnungsprojekt

Zusätzlich bei vermieteten Objekten

  • Alle Mietverträge samt Nachträgen
  • Mietaufstellung mit Kaltmiete, Vorauszahlungen und Mietbeginn je Einheit
  • Nebenkostenabrechnungen der letzten zwei bis drei Jahre
  • Nachweise über Mietkautionen und deren Anlage
  • Aufstellung laufender Betriebskosten

Käufer eines vermieteten Objekts kaufen den Ertrag, nicht die Fläche. Je sauberer die Mietaufstellung, desto belastbarer der Preis.

Situationsabhängige Unterlagen

WENNDANN BRAUCHEN SIE
Verdacht auf Altlasten, frühere gewerbliche
Nutzung, alter Öltank
Auskunft aus dem Altlastenkataster beim Landratsamt
Gebäude steht unter DenkmalschutzAuszug aus der Denkmalliste, Auflagen der
Denkmalschutzbehörde
ErbfallErbschein oder notarielles Testament mit Eröffnungsprotokoll,
berichtigtes Grundbuch
ErbbaurechtErbbaurechtsvertrag, Höhe und Anpassungsregelung des
Erbbauzinses, Restlaufzeit
Objekt liegt im SanierungsgebietSanierungsvermerk, Genehmigung der Gemeinde
Laufendes DarlehenRestschuldbestätigung der Bank, Angabe zur
Vorfälligkeitsentschädigung
Wohnrecht, Nießbrauch oder Leibgeding
eingetragen
Zugrunde liegender Vertrag, Angaben zum Berechtigten

Was Sie ohnehin bereithalten sollten

  • Aktuelle Grundsteuerbescheide: Käufer fragen nach der laufenden Belastung
  • Versicherungsnachweise: insbesondere Wohngebäudeversicherung
  • Wartungsnachweise für Heizung und Schornsteinfeger
  • Unterlagen zu Photovoltaik oder Wärmepumpe samt Einspeisevertrag
  • Aufstellung der Verbrauchsdaten der letzten drei Jahre

Der praktische Tipp

Legen Sie alles digital in einem strukturierten Ordner ab und benennen Sie die Dateien einheitlich. Wenn ein ernsthafter Interessent fragt, können Sie innerhalb von Minuten ein vollständiges Paket übersenden, statt zwei Wochen zu suchen. Das wirkt auf Käufer und finanzierende Banken professionell und beschleunigt die Zusage spürbar.

Ihr persönlicher Ansprechpartner

Herr Stefan Zipfel

Als Experte bin ich gerne Ihr persönlicher Ansprechpartner.

Melden Sie sich gern für eine individuelle Beratung oder bei Fragen zu Ihrer Immobilie – ich stehe Ihnen mit Erfahrung und regionaler Marktkenntnis zur Seite.

Fazit

Die Unterlagenbeschaffung ist der längste Einzelvorgang im gesamten Verkaufsprozess und der einzige,
den Sie vollständig vorziehen können.

  • Vier bis sechs Wochen einplanen, bevor das Objekt an den Markt geht.
  • Bauakte zuerst anfragen. Sie dauert am längsten.
  • Grundbuchauszug vollständig lesen. In Bayern steht dort auch das, was andernorts im Baulastenverzeichnis stünde, ergänzend gehören Bebauungsplan und Denkmalliste geprüft.

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